Die Untreue (§ 153 StGB) zählt zu den zentralen Delikten im Wirtschaftsstrafrecht in Österreich. Betroffen sind häufig Geschäftsführer, Vorstände, Vereinsobmänner oder andere Entscheidungsträger. Dem Vorwurf liegen in der Regel wirtschaftliche Entscheidungen zugrunde, die im Nachhinein kritisch beurteilt werden.
Nicht nur Beschuldigte, sondern auch potenzielle Opfer – etwa Gesellschafter, Unternehmen oder Vereine – sind mit erheblichen Risiken konfrontiert. Während die einen sich gegen schwerwiegende strafrechtliche Vorwürfe verteidigen müssen, geht es für die anderen darum, Vermögensschäden aufzudecken, zu sichern und Wiedergutmachung zu erreichen.
Was versteht man unter Untreue nach § 153 StGB?
Unter Untreue versteht man, dass jemand seine Befugnis über fremdes Vermögen zu verfügen wissentlich missbraucht und dadurch einen Vermögensnachteil verursacht.
- Missbrauch einer Befugnis – die bevollmächtigte Person hat nach außen hin die rechtliche Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen; die Handlung widerspricht jedoch im Innenverhältnis den Interessen des Vollmachtgebers.
- Vermögensnachteil – dem Vollmachtgeber entsteht ein Vermögensschaden.
- Vorsatz – die handelnde Person missbraucht wissentlich die Befugnis und nimmt den Schadenseintritt zumindest billigend in Kauf.
Praxisbeispiele:
– Ein Geschäftsführer verkauft sich Vermögen der Gesellschaft an sich selbst zu einem zu niedrigen Preis.
– Ein Geschäftsführer gewährt sich selbst ohne eine Sicherheit ein Darlehen.
– Ein Vorstandsmitglied entscheidet sich für eine hochspekulative Investition, die später scheitert.
Die Business Judgement Rule
Nicht jede unrichtige Entscheidung die zu einem Vermögensschaden führt, ist automatisch Untreue. Ob eine Entscheidung strafrechtlich relevant ist oder nicht, wird anhand der Business Judgement Rule beurteilt:
– Die Entscheidung basiert auf angemessenen Informationen.
– Sie erfolgt zum Wohl der Gesellschaft.
– Sie ist nicht eigennützig motiviert.
Werden diese Parameter eingehalten, überschreitet die Entscheidung nicht die Grenzen zulässiger unternehmerischer Freiheit – auch wenn sie später zu einem Vermögensschaden führt (§ 25 Abs 1a GmbHG; § 84 Abs 1a AktG).
Wichtig: Wir empfehlen sämtliche wichtige Geschäftsentscheidung ausführlich zu dokumentieren. Eine nachvollziehbare Dokumentation bzw eine nachvollziehbare Darlegung der Beweggründe kann in einem Strafverfahren den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Strafrahmen bei Untreue
Die Strafdrohung hängt vom Ausmaß des Schadens ab:
– Bis zu 6 Monate Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bei Schaden bis 5.000 €.
– Bis zu 3 Jahre Freiheitsstrafe wenn der Schaden 5.000 € übersteigt.
– 1 Jahr bis zu 10 Jahre Freiheitsstrafe wenn der Schaden 300.000 € übersteigt.
Fazit & Handlungsempfehlung
Die Untreue nach § 153 StGB ist ein komplexes Delikt mit erheblichen Risiken für beide Seiten – Beschuldigte wie auch Opfer.
Wenn Sie eine Ladung erhalten haben oder den Verdacht haben, dass Sie oder Ihr Unternehmen Opfer einer Untreue geworden sind, sollten Sie sofort anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen. Als Anwalt für Untreue, unterstützt Sie Mag. Markus Weisser sowohl in der Verteidigung gegen Vorwürfe als auch bei der Durchsetzung von Opferrechten und Schadenersatzansprüchen.
Als erfahrener Anwalt im Wirtschaftsstrafrecht prüfen wir Ihre individuelle Situation diskret und kompetent. Vereinbaren Sie jetzt ein vertrauliches Erstgespräch.

Mag. Markus Weisser
Rechtsanwalt
RA Mag. Markus Weisser ist seit mehreren Jahren als Rechtsanwalt im Strafrecht tätig. Die Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind vielseitig. Darüber hinaus hält er regelmäßig Vorträge zu diversen Themenbereichen.
FAQ
Ich habe eine Ladung zur Vernehmung als Beschuldigter erhalten – was soll ich tun?
Beauftragen Sie vor dem Termin unbedingt einen Anwalt für Wirtschaftsstrafrecht. Ein Verteidiger kann rasch vollständige Akteneinsicht nehmen und allenfalls die Verschiebung der Einvernahme veranlassen. Erst wenn die Vorwürfe samt Beweismittel vollständig bekannt sind, sollte der Beschuldigte eine Aussage tätigen. In der Regel ist es auch möglich die Stresssituation einer mündlichen Einvernahme im Ermittlungsverfahren zu vermeiden und stattdessen eine schriftliche Stellungnahme einzubringen.
Bin ich schon strafbar wegen Untreue, wenn eine Investition fehlgeschlagen ist?
Nein. Entscheidend ist, ob Ihre Entscheidung sorgfältig vorbereitet, sachlich begründet und frei von Eigeninteressen war. Scheitert ein Projekt trotz sorgfältiger Abwägung, greift die Business Judgement Rule – und es liegt keine Strafbarkeit vor.
Muss ich wegen des Verdachts wegen Untreue mit einer Hausdurchsuchung rechnen?
Ja, insbesondere bei Verdacht auf Untreue kommt es nicht selten zu Hausdurchsuchungen – sowohl in privaten als auch in geschäftlichen Räumen. Dabei werden oft Datenträger, Computer, Mobiltelefone oder physische Unterlagen sichergestellt.
Ich vermute, dass in meinem Unternehmen Untreue vorliegt – wie gehe ich als Opfer vor?
Handeln Sie schnell: Dokumentieren Sie Auffälligkeiten, sichern Sie relevante Unterlagen und holen Sie sich anwaltliche Unterstützung.
Welche Rolle spielt die Dokumentation bei Strafverfahren wegen Untreue?
Eine entscheidende: Für Beschuldigte kann eine lückenlose Dokumentation von Entscheidungsprozessen den Untreuevorwurf entkräften. Für Opfer ist die sorgfältige Sammlung von Beweisen entscheidend, um Schadenersatz durchzusetzen.
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